Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 08.07.2017 von Sandra

Aus terminlichen Gründen konnte ich auf den letzten Touren nicht dabei sein, so dass ich mich richtig gefreut habe, unseren „Suppentrupp“ endlich wiederzusehen. Als ich kurz vor 17 Uhr an der Garage ankam, waren Hotti (natürlich!) und Markus C. bereits fleißig am Werk. Markus hatte bereits unsere neue Erste-Hilfe-Tasche auf Vollständigkeit geprüft und das Suppenfahrrad auf Vordermann gebracht, im Anschluss wechselte Kadir flugs die leere Gasflasche aus. Da eine Tourgängerin unerwartet absagen musste, ist Markus P. eingesprungen, um die ganze Tour zu begleiten. Ebenfalls schon zu Beginn am Start waren Andres und Hoger.



Während ich den Getränke- und den Hygienewagen auffüllte, kümmerte sich Hoger um das Essen. Da heute leider kein Koch Zeit hatte, uns eine Mahlzeit zu kochen, gab es die allseits beliebten Ravioli aus der Dose sowie einen Nudel-Tomaten-Topf, den Kadir extra noch schnell besorgte, damit wir auch eine schweinefleischlose Option anbieten konnten. Wie jeden Samstag hatte Carsten frühmorgens zwei Kisten mit Brötchen und süßen Teilchen beim Bäcker Peter abgeholt und zur Garage gebracht. Dann haben Hotti und ich die Kleidungsvorräte durchgesehen und sortiert, so dass wir neben Unterwäsche und Socken eine große Kiste mit Schuhen, Herren-Shirts, Hosen und Sweatshirts sowie eine Kiste mit Damenbekleidung mitnehmen konnten.

Als neue Tourgängerin konnten wir Hannah bei uns begrüßen. Hannah arbeitet zurzeit im Rahmen ihres Studiums der Sozialen Arbeit an einem Forschungsprojekt zum Thema „Frauen in der Obdachlosigkeit“ und möchte bei uns praktische Erfahrungen sammeln und Gespräche mit betroffenen Frauen führen. Über ihr Interesse freuen wir uns natürlich sehr, denn das Thema liegt uns allen besonders am Herz. So gibt es glücklicherweise

zwar weniger weibliche Obdachlose als männliche, aber für Frauen ist das Leben auf der Straße nochmal härter und gefährlicher. Zudem sind weibliche OFWler eher von spezifischen Problemen wie der Prostitution für Wohnraum betroffen. Natürlich unterstützen wir Hannah da gerne!

Nachdem wir die Vorbereitung pünktlich abgeschlossen hatten, trudelten auch Steffi und Khalaf ein und wir konnten zu unserer ersten Station losziehen. An der Gertrudiskirche warteten bereits unsere Stammgäste auf uns. Asaad und Adham kamen hier ebenfalls dazu, so dass wir nun vollständig waren. Hoger, Adham und Assad legten gleich mit der Essenausgabe los. U. wirkte heute sehr bedrückt, auf meine Nachfrage hin zeigte er mir etliche Schürfwunden, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte. Auch seiner Tochter schien es nicht gut zu gehen. Er zog sich dann mit einer Portion Ravioli zu seiner Hündin auf die Treppe zurück, um in Ruhe zu essen. Ein anderer Gast war dagegen bester Dinge. Stolz überreichte er mir einen Topf Lavendel als Geschenk, was ich sehr lieb fand. Ein weiterer Stammkunde kam mit sehr unsicheren Schritten auf mich zu und zeigte auf sein Bein. Offenbar hatte er starke Schmerzen, so dass ich ihn gleich an Markus C. verwies. Es zeigte sich, dass er ein offenes Bein mit vier offenen Stellen hatte, die Markus C. unter Assistenz von Markus P. (durfte die Erste-Hilfe-Tasche halten und Verbandsmaterial anreichen ;) ) sowie Kadir und Andres (durften gucken und kommentieren ) fachgerecht verband. Währenddessen gaben Steffi und Hotti fleißig Kleidung aus, die bei dem warmen Wetter sehr gerne angenommen wurde.

Nachdem alle Gäste versorgt waren, ging es weiter zur nächsten Station neben Toscani. Dort lag schon ein potentieller Gast, der uns Platz für unsere Wagen machte und dem zum Dank natürlich ebenfalls eine Portion Ravioli serviert wurde. Auf dem Kennedyplatz war aufgrund eines Konzertes von Radio Essen richtig was los und das bescherte uns eine Stippvisite von Sabine F., Marvin und Udo, worüber wir uns sehr freuten. Auch Carsten stieß hier zu uns. An dieser Station ging es recht ruhig zu, so dass wir schon bald zu unserer dritten Station weiterzogen.

Am Hauptbahnhof bekam Dr. Markus gleich wieder zu tun. Ein Gast hatte sich bei einer Schlägerei eine Wunde an der Stirn zuzogen, die Markus mit Hilfe von speziellen Pflastern versorgte. Hannah zog sich dann mit der Freundin des Mannes zu einem Interview zurück, um aus erster Hand zu erfahren, was es für die junge Frau bedeutet, auf der Straße zu leben. Während alle beschäftigt waren, bemerkten wir recht spät, dass einem Reifen unseres Suppenfahrrads so langsam die Luft ausging. Nun war guter Rat teuer, denn eine Pumpe hatten wir nicht dabei. Hier kam uns nun Stammgast B. zu Hilfe. Mit ihrem Roller brauste sie davon, um kurz darauf mit einer Luftpumpe zurückzukehren, die sie uns schenkte. Gemeinsam mit Hotti und Kadir schritt Adham zur Tat und pumpte den Reifen wieder auf, so dass wir dann zur Garage zurückkehren konnten. Natürlich haben wir dann noch auf den letzten Metern einen Schauer abbekommen, aber da es noch recht warm war, hat uns das nichts ausgemacht. Kein Vergleich zu unseren Wintertouren! Auf dem Weg zur Garage fanden die Markusse noch eine herrenlosen, gefüllten Einkaufswagen, den sie aus Sicherheitsgründen der Polizei meldeten. Sicher ist sicher, aber in diesem Fall ging von dem Wagen keine Gefahr aus. Wie immer beendeten wir die Tour mit dem Aus- und Aufräumen.

Insgesamt war diese Tour sehr ruhig, was uns allen viel Gelegenheit für den Austausch mit den Bedürftigen ermöglichte. Es zeigt sich, dass die Erste-Hilfe-Tasche eine wirklich sinnvolle Bereicherung für unsere Touren ist.

Wenn Du auch mal Lust hast, uns zu begleiten, dann melde dich bei uns oder komm einfach vorbei! Alle Infos findest du in den Veranstaltungen. Gerade jetzt in der Sommerzeit können wir jeden Tourgänger gut gebrauchen, denn aufgrund von Urlauben und Veranstaltungen sind wir zurzeit etwas unterbesetzt. Ebenfalls können wir Spenden in Form von Hygieneprodukten (Rasierschaum, Duschgel etc.) und Süßigkeiten besonders gut gebrauchen! Wir freuen uns über jeden Support!

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