Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 22.07.2017 von Markus C.

Ich traf mich um 15 Uhr mit unserem Kleidungsmeister Hotti an der Garage, um die Garage etwas aufzuräumen. Wir stellten unser Suppenfahrrad raus und die ganzen Bollerwagen, damit wir Platz hatten, um uns zu bewegen.


Wir fingen an, die Kleidung in die Bollerwagen zu packen und um zu sehen, was wir alles noch da haben und ggf. zur nächsten Tour noch besorgen müssen.
Dann ging es weiter an die Konservendosen. Wir schauten in das Regal und mussten feststellen, dass eine große Auswahl nicht mehr da war. Als wir das Suppenfahrrad putzten, kam eine Gruppe Fotografen in die Straße und fotografierten kuriose Gegenstände auf der Straße. Die letzten drei der Gruppe informierte sich bei uns über uns. Hotti erzählte ihnen von uns. Immer mehr der Fotografen/innen kamen zurück und schossen Fotos von dem Fahrrad. Zum Schluss wollten sie ein Foto mit Hotti und dem Suppenfahrrad machen.
Nachdem sie ins Felis gegangen sind, machten wir unsere

Arbeit weiter und wir entschlossen uns für Ravioli und Erbsensuppe. Hotti fing an, die Dosen zu öffnen und an mich weiterzureichen. Zum Glück kam noch Robert vorbei, der mir die leeren Dosen abnahm und in die Mülltüte warf. Das war eine gute Kette. Wenig später traf Gaetano ein und bot direkt seine Hilfe an, welche Hotti annahm. Er ließ ihn Wasser holen und dann Wasser kochen für unsere heißen Getränke.
Ich hatte somit Zeit, um die Verbandstasche auf Vollständigkeit zu kontrollieren und zu befüllen. Letzte Woche wurde ich erfolgreich von Anna vertreten. Auf Tour bekamen wir auch hohes Lob für ihre Arbeit .

Gegen 17 Uhr kamen dann auch Sandra und Khalaf. Sandra war vollgepackt bis unter beide Arme mit Flaschen, die sie mitbrachte. Wenig später traf dann auch Christian ein und eine Freundin von Sandra, Sevda.
Gegen 18 Uhr machten wir uns auf den Weg zu unserer ersten Station, die Gertrudis Kirche. Auf dem Weg wurden wir von Simone aufgehalten, die uns eine große Tüte mit Süßigkeiten brachte und dann weiter musste zum Fest nach Karnap, weil wir mit einem Stand dort vertreten waren.
Auf der Höhe vom GOP Varieté Theater kam uns Adham entgegen, der sich für die Tour mit einer Falafel stärkte.

Angekommen an der St. Gertrudis Kirche war es unheimlich voll, weil dort ein Fest war. Wir bauten unsere Karawane trotzdem auf und mussten leider feststellen, dass dort nicht so viele OFW´ler und Bedürftige waren. Wir nahmen an, durch das Fest. Es trudelten zwar immer mal wieder welche ein, aber gingen auch schnell wieder.
Noch an der Kirche fiel mir direkt eine neue Frau auf. Sie saß im Rollstuhl bedingt durch eine kaputte Bandscheibe und noch einer weiteren Erkrankung. Ich unterhielt mich mit ihr. Sie lebt mit vielen Tieren in einer kleinen Wohnung und bekommt sehr wenig Geld. Sie hatte kein Geld mehr, um sich etwas zu Essen zukaufen. Wir gaben ihr eine leckere Erbsensuppe und einen Becher voll mit Cola, worauf sie humorvoll antwortete: „Der Becher hat ja ein Loch “. Sandra und ich verstanden erst den Witz nicht und lachten erst ein paar Sekunden später darüber, nachdem wir es verstanden hatten. Sie erzählte mir, dass sie am Bein eine Blase habe, die sehr schmerze. Ich bot ihr an, mir das mal anzuschauen. Gesagt - getan.
Mustafa, Assad und Andrés kamen auch noch, worüber wir uns alle freuten.

Gegen 19 Uhr gingen wir zu unserer zweiten Station am Rathaus. Dort traf auch noch Janine ein. Sandra und ich sahen gegenüber vom Burgerking ein Paar auf einer Decke sitzen. Wir gingen dort hin und fragten, ob wir ihnen helfen können. Wir boten ihnen etwas zu Essen an. Sie fragten, was es denn kosten würde. Sandra sagte ihnen, dass es nichts koste. Das Mädchen bzw. die junge Frau sah nicht ganz gesund aus und ich fragte nach Ihrem Gesundheitszustand. Sie sagte, es gehe ihr gut. S erzählte, dass sie eine schwere Erkrankung habe und zeigte mir ihre Narbe, die den ganzen Brustkorb verzierte. Wenig später, nachdem S und J langsam Vertrauen zu mir aufbauten und merkten, dass ich bzw. wir nur helfen wollen, bat J mich, bei S den Oberarm anzusehen. Ich holte die Verbandstasche und den Koffer, in dem noch andere wichtige Materialien sind und nahm Janine mit, damit sie mir assistieren konnte.
Angekommen, schauten wir uns den Oberarm an. Sie hatte eine etwa 8 cm große Narbe, die angeschwollen und entzündet war. Ich behandelte den Arm und empfahl einen Besuch im Krankenhaus oder beim Ärztemobil. Ich fragte, wo sie schlafen würden und erfuhr dann, dass sie auf der Straße leben, weil S obdachlos wurde. J hat ein Zimmer in einer Wohngruppe, dort dürfen aber keine Frauen hin. Er bleibt aus Liebe zu S mit ihr auf der Straße. Sie möchte nicht in eine Notschlafstelle, weil sie sehr schlimme Erfahrungen sammeln musste. Ich gab ihr meine Nummer und die Nummer von unserer Obdachlosenbotschaft, die versuchen kann, ihnen zu helfen. Ich ging mit Janine zur Garage, weil ihr ganzer Besitz nur aus einem Bollerwagen und einer Decke bestand. Wir gaben ihnen zwei Isomatten und zwei Decken.

Dann gingen wir zur unser dritten und letzten Station am Hauptbahnhof zur Deutschen Post. Angekommen, bauten wir uns auf und Janine und Sevda gingen mit mir zum Hauptbahnhof, wo wir Ausschau nach alten Bekannten hielten. Wir trafen einige und luden diese zu uns ein.
Janine rief mich, während ich mit L. mich unterhielt, dass B. eine Verletzung am Bein habe. Ich sagte, sie sollen mit uns kommen. Ich schaute mir drei Verletzungen an und behandelte diese, wobei ich wieder zur Assistenz Janine und Christian nahm.
Später kam noch eine Frau, deren Bauchnabelpiercing sich entzündet hatte, und die Rat von mir wollte. Ich schaute mir das an. Das Piercing war total entzündet und vereitert. Ich empfahl ihr, einen Arzt aufzusuchen und auf keinen Fall irgendwas daran zu machen.
Als ich einen Blick zum Rest der Truppe schaute, war ich sprachlos. Ca 25 Leute waren am Fahrrad. Es gab leider auch zwei Auseinandersetzungen, wo ich die Polizei rufen musste. Später traf auch Markus P ein, der vom Fest in Karnap zu uns kam, um uns noch zu begleiten.

Gegen 21:30 machten sich die Karawane auf dem Weg zur Garage, Markus und ich unterhielten uns noch eine Weile mit S und J, die mittlerweile zum Hauptbahnhof kamen. Als Markus und ich an der Garage ankamen, war alles schon eigeräumt. Wir unterhielten uns noch etwas und machten uns gegen 22:20 Uhr auf den Weg nach Hause.

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Au revoir, euer Commander