Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 20.05.2015

Wir hatten Startschwierigkeiten mit unserem Suppenfahrrad; die Gasflasche wollte nicht so wie wir.
Deshalb ging es etwas später los und schon gleich am Nord warteten die ersten Leute auf die leckere Kartoffelsuppe. Selbst einige, die wir sonst weiter oben in der City treffen, kamen uns schon früh entgegen. Sie hatten alle Hunger und Appetit!
Wir trafen J., dem es Gott sei Dank wieder besser geht. Durch ein Antibiotikum ist die Entzündung in seinem Gesicht zurückgegangen. S. trafen wir leider nicht. Er ließ uns über einen anderen ausrichten, er käme morgen und dann könnten wir ihm die Malsachen, die er sich gewünscht hatte und die wir ihm besorgt haben geben. Heute hätte er noch einen Zahnarzttermin. ( abends um 20 Uhr???, hmmm!!) Leider hatte die Schlägerei letzte Woche für ihn ziemliche Folgen. Man hat ihm mehrere Schneidezähne ziehen müssen.


Die Kleidung auf unserem Bollerwagen fand reißenden Absatz und schnell leerte sich unser Vorrat.
Bei Hosen wird mit dem Unterarm Maß genommen. Diese Methode kennen die Jungens alle.
Einem jungen Mann konnten wir zu einer Cordhose dann sogar noch ein passendes T-Shirt auswählen. Er war begeistert.
Unserem J. machten wir mit einem Großen Rucksack eine Freude. Jetzt fehlt ihm noch ein Schlafsack, den wir ihm hoffentlich bald besorgen können. Nach Schlafsäcken wird immer wieder gefragt, da können wir gar nicht genug von haben!
20 Dosen Kartoffelsuppe, drei Dosen Erbsensuppe und am Ende dann noch 2 Dosen Ravioli machten unsere Leute satt. Auch reichlich Brot und Gebäck konnten wir wieder verteilen.
Am Baedeckerhaus rund um den jungen Polen gab es dann wieder mächtig Unruhe. Die beiden jungen Frauen, die ihn sonst begleiten, hatten Streit mit ihm. Eine schilderte, er sei ihr gegenüber in der letzten Nacht

gewalttätig geworden und beide Frauen fühlten sich jetzt von ihm bedroht.
Sie suchten zunächst Schutz bei uns, und als er aufkreuzte, (wie immer laut lamentierend) suchten sie auf unser Anraten hin das Weite.
Als wir die eine Frau dann auf dem Rückweg wieder trafen, hatte sich das Blatt offensichtlich gewendet. Nun war sie sich wieder einig mit ihm und berichtete stattdessen stolz, dass sie die andere Frau, wohl eine Nebenbuhlerin, soeben verprügelt habe.
Wir konnten das alles nicht mehr nachvollziehen, haben nochmals innständig auf sie eingeredet, sich besser von ihm fernzuhalten, aber wohl nicht viel erreicht. Immerhin hat sie sich bei uns für die Ratschläge bedankt. Um diesen Mann ist immer Unruhe und Stress. Er bedroht auch die älteren Ofw’ler. Eine Frage der Zeit, wann es da eskaliert. Erschüttert hat mich die Tatsache, dass die junge Frau fast gleichgültig eine Schwangerschaft als Folge der letzten Nacht in Betracht zieht.

Inzwischen fällt uns bei den Touren immer mehr auf, dass Leute, die wir ganz am Anfang versorgt haben, uns dann anschließend fast die ganze Tour begleiten, weil sie unsere Nähe und den Kontakt genießen. (So zog unser G. zum Beispiel wieder bis zum Schluss den Bollerwagen) Dadurch sind auch immer längere und intensivere Gespräche möglich und man erfährt viel mehr von den einzelnen Lebensgeschichten. Es herrscht mittlerweile ein sehr vertrauter, fast familiärer Umgang miteinander. Jeden Abend verabschieden wir uns sehr herzlich voneinander und wir freuen uns dann bei jeder Tour, alle unversehrt wieder zu treffen.

Tags: Tourbericht, Warm durch die Nacht, Essen packt an, Obdachlosenhilfe, Obdachlosenversorgung, Obdachlosigkeit, Stadt essen, Suppenfahrrad, Bollerwagen, Ehrenamt, bevölkerungsschutz


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