Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 18.01. 2016 von Andreas

- Jetzt geht’s an die Substanz -

Montag war es wieder soweit, Janita, Fabienne, Melanie, ein neuer Begleiter mit dem Namen Marco und ich waren am Start. Marco hat übrigens sehr gut mitgearbeitet und will auch zur nächsten Tour wieder mit dabei sein, tolle Sache!

Ich bringe mal die Fakten kurz zusammen: Wir haben innerhalb von 2,5 Stunden 40 große Dosen Suppe „raus gehauen“, unglaublich der Andrang an der Suppenausgabe. Streckenweise kamen wir kaum hinterher mit der Verteilung. Den Brotvorräten ging es nicht anders, sie sind quasi weg geschmolzen, wurden uns regelrecht aus der Hand gerissen.
Was in Sachen warmer Kleidung an den Bollerwagen los war, könnt Ihr euch wahrscheinlich vorstellen. Und mit dem heißen Wasser für Tee und Kaffee kamen wir auch nicht weit, Fabienne musste den großen Behälter neu füllen lassen im Abia, noch während wir am Café Nord standen.
Allen Tourbegleitern wurde gestern binnen kürzester Zeit klar, wie wichtig es war, an diesem Abend wieder loszuziehen. Uns wurde gestern sehenden Auges und ungeschönt vor Augen gehalten, dass es bei diesen eisigen Temperaturen für viele Menschen bereits ums Überleben geht, und das ist nicht dramatisiert. Der Bericht vom ersten kältetoten OfW’ler in Berlin spricht eine deutliche Sprache.
Man stelle sich das vor; Menschen, die uns in der Stadt begegnen, mit denen wir gemeinsam in unserer Stadt leben, kämpfen um das Allernötigste, während wir einfach nach Hause gehen können. Der Spagat zwischen reich und arm kann offensichtlicher nicht sein. Und wenn man auf Tour geht, bekommt man ihn quasi körperlich zu spüren; direkt vor der eigenen Haustür.

 

Zum späteren Abend - so ab 21:00 Uhr - wurde es dann richtig kalt, nicht Wenige standen sichtbar zitternd am Fahrrad, teilweise nur um sich etwas zu wärmen am Gasofen für die Suppe.

Ein junger Mann kam zu uns mit der dringenden Bitte um Handschuhe, welche wir aber nicht mehr auf dem Wagen hatten. Nun denn, fortan hatte ich also keine Handschuhe mehr, sie passten ihm wirklich super.

Janita, Fabienne und Melanie waren in viele Gespräche verwickelt, der Gesprächsbedarf war wieder sehr hoch. Marco sprang überall ein wo eine helfende Hand gebraucht wurde. Wir waren mal wieder ein „rundes“ Team und haben uns den Spaß an der Sache auch nicht nehmen lassen in der Kälte. Und das war auch gut so, denn unsere Fröhlichkeit überträgt sich auf unsere Bedürftigen. Die freuen sich einfach, wenn man mal ein bisschen Blödsinn miteinander macht. Hier ist man immer wieder überrascht, welch wacher und heller Verstand einem da so manches Mal gegenüber steht. Doch bei aller „Rumalberei“, um das Leid für einen Moment zu vergessen, ist es dieser Tage bei diesen Witterungsverhältnissen brutal, was unsere Bedürftigen aushalten müssen.
Und wer glaubt, dass es doch kein Problem sei, weil man ja in Obdachlosen-Unterkünften schlafen könne, der muss sich mal beschreiben lassen, was dort abgeht, dass es Menschen vorziehen bei der Kälte lieber draußen zu schlafen.
Dazu können wir nur immer wieder einladen; wer sich ein authentisches Bild von obdachlosen Menschen machen möchte, um daraus seine eigene Meinung zu prägen, der sollte mit uns auf Tour gehen. Hier passiert das wahre Leben und hier erfährst Du die wahren Geschichten.
Und eine wahre Geschichte ist, dass wir am Mittwoch wieder losziehen werden, egal was für ein Wetter und wie kalt es auch immer sein möge; wir sind am Start mit „Warm durch die Nacht“.
Denn da draußen leben Menschen wie Du und ich, und die brauchen uns, und die kriegen uns!


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