Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 23.02.2019 von Veronika

Warum man für eine Tour nie zu alt ist!



Mein Name ist Veronika und es war für mich heute die 5. Tour. Viele meinen: Eine Frau ab sechzig fragt man nicht nach ihrem Alter. Warum sage ich euch trotzdem, dass ich 65 Lenze jung bin? Man/ frau ist so alt, wie man sich fühlt. Ich möchte gerade meiner Generation Mut machen, eure Erfahrung und Kraft, eure helfenden Hände werden gebraucht. Man kann ja auch nur einen Teil der Tour machen usw.

An diesem freundlichen, sonnigen Nachmittag kam ich als 1. an der Garage um 16.49 Uhr an und nutzte die Wartezeit für ein belebendes Sonnenbad. Nach wenigen Minuten kam Cristina dazu und wir plauderten ein wenig, unter anderem über die Handhabung von Propangasflaschen......was für ein Thema.
Wir hatten aber keinen Schlüssel für die Garage. Dann kam

Carsten mit seinem Sohn Silvian, öffnete auch die Garage. Er hatte morgens schon die Spende von Bäcker Peter, Teilchen und Kuchen und Brötchen in die Garage gestellt. Es läuft so, dass Teilchen und Kuchen vom Vortag sind und kostenlos für uns. Die Brötchen sind frisch, werden zur Suppe gereicht und müssen von uns (Essen packt an) bezahlt werden.
Dann lernten wir Francis und Kean kennen. Sie wollten erst nur zur Vorbereitung bleiben, erklärten aber dann zu unserer Freude, dass sie bis 20 Uhr Zeit haben, was für ein Glück. Ich verteilte dann erstmal Hygienehandschuhe, welche wir uns alle anzogen. Ich mag die irgendwie nicht...….aber es muss ja sein!!! Da Kean mit Francis die Stanleys mit Kaffee usw. überprüften, kamen wir ins Gespräch über die Zuckermenge, welche so in einem Becher Kaffee gewünscht wird. Also ich: gar keinen Zucker, nur Milch. Kean braucht nur 2 Stücke Zucker, unsere Bedürftigen lieben es sehr sehr süss, gerne 5 Stück Zucker. Geschmäcker sind so verschieden.

Francis und Kean kümmerten sich um den Bollerwagen. Der war voller alter Krümel. Also wurde der Bollerwagen auf den Kopf gestellt und gründlich gereinigt. Jeder weiß, wie Krümel "pieksen". Cristina, Julian, der selbstverständlich auch dabei war, und Carsten nahmen das Suppenfahrrad in Augenschein, es wurde desinfiziert und mit Wasser befüllt. Auch eine 2. Propangasflasche wurde als Reserve hineingestellt. Die Handlungsabläufe ergaben sich wie von selbst, immer waren die Teamplayer zur Stelle, es ergab sich alles so harmonisch, wie von selbst.
Dann kam um 17.30 Uhr mit einem strahlenden Lächeln Mustafa aus Bochum zur Verstärkung zu uns. Als einige schon ängstlich fragten, wann denn wohl die Suppe käme...…..hielt ein roter VW vor der Garage und Christian, der Sohn von Apri kam mit der leckeren Bohnensuppe von Haus Reichwein Essen, einmal mit Bockwurst, einmal ohne für die Vegetarier.

Wieder einmal kam die Frage auf, wie viele Stanleys und Bollerwagen außer dem Suppenfahrrad mitgenommen werden können. Denn bis zum Ende der Tour wollten uns einige Teamplayer verlassen und es muss ja alles zur Garage wieder zurück. Ich machte mich für einen Bekleidungswagen stark mit Stiefeln usw., und das war gut so, wie sich schon an der 1. Station herausstellte. Ich teilte meine Erfahrung aus vorausgegangenen Touren mit, dass es wohl einen großen Andrang geben könnte, weil "Die Tage vor dem Ersten, das sind die Schwersten", so sagte es meine Oma früher immer. Da ist dann halt das Geld schon knapper.

Wir wurden bereits von einigen Gästen erwartet und diese halfen uns auch sehr freundlich, die Bollerwagen usw. in Reih und Glied aufzustellen. Ich staune immer wieder über die Freundlichkeit, kann ich bitte 1 Brötchen haben, bitte noch etwas Milch in meinen Kaffee. Dankeschön usw., richtig nette Menschen sind darunter, mir macht es immer Spaß. Mein Kleidungsbollerwagen war sofort umlagert und ich musste die Ruhe bewahren, um alle versorgen zu können.
Kira kam um 18.30 Uhr noch zur 1. Station und wurde nicht nur von uns Teamplayern, sondern auch von einigen Gästen ganz lieb umarmt. Mein Bollerwagen war in nullkommanix leer, alle Schuhe auch weg...…..hätten wir doch bloß mehr Leute, dann könnten wir auch mehr Kleidung mitnehmen.
Einer Dame habe ich versprochen, dass ich ihre Bestellung für kommenden Dienstag weiterleite.

Kean und Francis hatten Ihr Vergnügen mit der Suppenkelle, es war wirklich großer Andrang, wie ich sehen konnte. Sie meisterten das ganz toll. Dann kam Cristina zu mir und sagte: schreib in deinen Bericht, dass ich soeben von einem Passanten eine Spende von 20 Euro bekommen habe. WOW.....die können wir gut einsetzen.
Kean rief, dass die Suppe irgendwie zu heiß wird und fragte, wie man die Temperatur regeln kann. Kira kann das, sie ist ja immer total cool und zeigte es uns. So ein Suppenfahrrad braucht halt eine andere Handhabung wie ein heimischer Küchenherd. Ein Gast, der Udo heißt, lief auf 2 Krücken herum. Da ich Zeit hatte, suchte ich auch das Gespräch mit ihm und er läuft wegen seinem kaputten Knie auf Krücken herum. Nächste Woche geht er wegen einer Op. in die Uniklinik. Ich soll euch aber schreiben, dass er 2017 von einem Auto überfahren wurde, er hatte 7 Rippen gebrochen, das Steißbein kaputt, die Schulter und das Becken gebrochen und noch einiges andere. Ein Überlebenskünstler also, ein ganz freundlicher Mann.
Dann kam eine Dame auf mich zu und wollte mich alleine sprechen. Sie sagte, sie wäre von einem anderen Gast beleidigt worden. Das geht doch nicht, oder? Wir überlegten zusammen, was man tun kann, wenn man beleidigt wird: 1. die Beleidigung nicht zurückgeben, 2. aus der Situation herausgehen, 3. dem anderen das sofort verzeihen usw. Wir kamen dann zu dem Ergebnis, dass wir gemeinsam alle etwas zum Frieden beitragen möchten.

Carsten war mit Julian losgezogen, um wieder "bei dem Bäcker, welcher nicht genannt werden darf" Backwaren abzuholen und zur 2. Station zu bringen. Dahin machen wir uns dann auch auf. An der Marktkirche war nicht ganz so viel Andrang, aber die Suppe ging uns dann schon nach kurzer Zeit aus. Einige Teamplayer beschlossen daher, das Suppenfahrrad und einige Bollerwagen zur Garage zu bringen und schon sauberzumachen.
Kira, Cristina, Julian und ich zogen dann mit Kaffeestanley, Kuchen- und Brötchenbollerwagen und dem Wagen mit heißem Wasser los zum Bahnhof. Unterwegs versorgten wir noch einige Leute, die uns um Kaffee und Brötchen baten. An der 3. Station war im Nu auch das letzte Brötchen verteilt. Auf einmal kam die BILD-ZEITUNG samt Reporter und Cem von der Obdachlosenbotschaft...………..na, das war ein Abend...…...es hat Spaß gemacht.
Altersmäßig war wir vertreten, der Jüngste, Silvian, 11 und ich 65, und insgesamt...….waren alle Teamplayer zusammen 303 Jahre(danke nochmal, das Ihr mir alle euer Alter verraten habt.) Ich bin dann nach Hause gefahren, aber wg. der BILDZEITUNG war bestimmt noch eine Weile was los am Bahnhof...…….danke an alle, bis zum nächsten Mal, Eure Veronika


Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok