Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 09.11.2019 von Joyce

 Eine Tour aus der Sicht der Generation YouTube



So manches Video auf YouTube mag zum Nachdenken anregen, aber wenn man die Wirklichkeit sieht, ist es doch anders als dort gezeigt wird. Es ist kälter, viel kälter.
Mein Name ist Joyce, ich bin 11 Jahre alt und war heut mit meiner Mama und André zum ersten Mal mit auf einer Tour, um die Obdachlosen zu versorgen. Leider waren wir etwas spät dran und sind dann direkt zur ersten Station gelaufen. André wusste, wo wir hin müssen, da er "Warm durch die Nacht" schon viele Jahre kennt.

Als wir am GOP um die Ecke bogen, sagte ich sofort: "Da vorne stehen ganz viele rum". Je näher wir kamen, umso

wuseliger wurde das Rumstehen. Jeder hatte etwas zu tun und wir wurden sehr nett begrüßt. Da ich noch etwas schüchtern war, stand ich erstmal bei Mama und dann sagte plötzlich jemand, ich solle mal kommen. Ihm half ich, warme Kleidung für die Menschen in der Schlange herauszusuchen. Manchen sah man das Leben auf der Straße an, anderen wiederum nicht. Aber glücklich über die neue Kleidung waren alle. Ich hatte zwar eine dicke Jacke an, aber es wurde immer kälter und ich freute mich riesig, als Mama mir einen heißen Tee reichte. Das tat wirklich gut.
Heute konnten wir eine deftigen Kartoffeleintopf mit Geflügel vom ATLANTIC Congress Hotel Essen, Obst und Gemüse vom Rewe Karnap, Käse und Wurst von Rewe Köster in Essen-Rellinghausen sowie geschnittenes Brot und Bananen von Rewe Lindner.

„In 7 Minuten geht‘s weiter“ hörte ich jemanden rufen und plötzlich packten alle ihre Station, an der sie Dinge verteilten, ein und gemeinsam zogen wir durch eine Einkaufsstraße zum nächsten Standort dieser großen Karawane.
Hier an der Marktkirche kamen etwas weniger Menschen, so ging ich kurz mit Mama in ein Restaurant auf die Toilette. Auf dem Weg dorthin fielen mir die ganzen Lichter der Weihnachtsdeko auf. Ob die Menschen, die draußen schlafen, diese genauso schön finden?
Es wurde immer kälter.. im normalen Leben merkt man das nicht so doll. 5 Minuten zur Haltestelle, dann rein in die warme U-Bahn und nochmal 5 Minuten zur Schule laufen. Einfach zu kurz, um wirklich zu frieren. Das hier war aber anders. Schon gut 2 Stunden standen wir draußen und ich konnte mir nicht vorstellen, wie diese Menschen bei der Kälte im Freien übernachten können.

Auch an dieser Station brachen wir irgendwann auf und folgten der glitzernden Weihnachtsdeko in Richtung Hauptbahnhof. An der Post angekommen, warteten schon ein paar Menschen auf uns und dieses Mal war ich zum Kaffeemachen eingeteilt worden. Das ist gar nicht so schwer: Kaffeepulver in einen Becher.. die gewünschte Menge an Zucker hinein und Milch, bis die Person "Stopp" sagt. Dann einfach heißes Wasser drauf. Das kann wirklich jedes Kind. Nach einiger Zeit kam André mit einem heißen Kakao an, der richtig gut wärmte. Das hatte ich mir wirklich verdient.

Nun beendete ich mit André und Mama die Tour. Ich fühlte mich wirklich toll, sowas mitgemacht zu haben. Nun kenne ich den Unterschied zwischen YouTube und der Welt da draußen. Es sind einige Grad.
Eure Joyce

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