Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 02.05.2015

Gestern waren deutlich weniger Leute in der Stadt, als sonst. Uns machte das zunächst stutzig, weil auch am Hauptbahnhof kaum Leute waren. Ein Ofw‘ler brachte uns dann auf den Gedanken, dass es ja gerade Geld gegeben hätte und dass da ein Zusammenhang bestehen könnte.

Wir hatten massig Brötchen dabei, die wir dann natürlich nicht alle verteilen konnten. Vroni friert sie jetzt erst mal ein, vielleicht mal für eine Sonntagstour.

Die Wenigen waren dann aber umso bedürftiger. Gestern war wohl der Tag der Redseligen. 

An der Marktkirche versorgten wir vor allem die Punks, die „kleckerweise“ zu uns kamen. Waren aber alle total nett und dankbar.

G. war sehr anhänglich und hat uns ab Marktkirche für den Rest der Tour den Bollerwagen gezogen. J. hatte ganz viel Gesprächsbedarf, war ab dem Dom in unserer Nähe und ließ sich erst dort und später nochmal am Aufzug von uns versorgen. St., in einem besonders schlechten Gesamtzustand, kam aber im Laufe des Gesprächs immer mehr zu sich und genoss sichtbar die Zuwendung.

 

Ganz großen Kummer machte uns P., den wir zunächst suchen mussten. Eine Passantin machte uns auf ihn aufmerksam und wir fanden ihn schließlich in Tränen aufgelöst in der Eingangstür zum Dom. Nach längerem Bemühen bekamen wir schließlich folgendes heraus: er hat gerade erfahren, dass ein Mitarbeiter aus der Suchthilfe, ein Sanitäter namens B., vor drei Tagen gestorben ist. Dieser hätte immer viel für ihn getan, er verdanke ihm praktisch sein Leben und er wäre sein Freund. „alte Säge, dich überlebe ich aber bei Weitem, hat er immer zu mir gesagt“. Er habe an einem Hirntumor gelitten und P. hat es dadurch erfahren, dass in der Einrichtung plötzlich ein Foto von ihm gestanden hätte. P. will nun unbedingt zur Beerdigung, weiß aber nicht wann und wo die ist.

Wir haben ihn dann doch noch zu einer Suppe überreden können und ihm versprochen, auf dem Rückweg nochmal nach ihm zu sehen. Wir fanden ihn aber dann leider nicht mehr.

Es wäre gut, wenn wir uns in den nächsten Tagen intensiver um ihn kümmern. Er war todunglücklich. Vielleicht kriegen wir ja auch irgendetwas über diesen B. heraus. 

Unterwegs haben wir einige Flyer an Interessierte verteilen können und mehrmals haben Menschen unser Suppenfahrrad fotografiert. Wir haben immer darauf geachtet, dass kein Ofw’ler mitabgebildet wurde. Ingrid hatte ein Sparschweinchen mitgebracht, sodass wir auch kleine Spenden von insgesamt 13,34€ bekommen haben.

Im Altersheim öffnete uns ein sehr freundlicher Pfleger, der offensichtlich auch großen Redebedarf hatte. So konnten wir in Ruhe zurückräumen. Es tat gut, nach der anstrengenden Tour das nicht unter Zeitdruck tun zu müssen.

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